Wenn Angst nicht das eigentliche Problem ist
Über Scham, Schuld und warum Veränderung manchmal blockiert bleibt
Viele Klienten kommen zu mir, nachdem sie sich lange mit ihren Themen auseinandergesetzt haben und trotzdem merken, dass innere Reaktionen bestehen bleiben.
Viele Menschen kommen in meine Praxis, weil sie unter Angst leiden. Soziale Ängste, Redeangst, Angst vor Bewertung. Manche haben Angst vor Übelkeit oder Erbrechen. Andere ziehen sich immer mehr zurück, obwohl sie rational wissen, dass objektiv keine Gefahr besteht.
Oft erzählen sie mir, dass sie schon viel verstanden haben.
Sie wissen, woher ihre Angst kommt.
Sie haben gelesen, reflektiert, geübt.
Und trotzdem reagiert der Körper weiter.
Das kann sehr frustrierend sein. Und genau hier lohnt es sich, einen Schritt tiefer zu schauen.
Oft liegt unter der Angst nicht nur Anspannung oder Unsicherheit, sondern etwas Tieferes. Etwas, das weniger offensichtlich ist als Angst und deshalb leicht übersehen wird.
Viele Ängste entstehen nicht aus der Sorge vor einer konkreten Gefahr, sondern aus der Befürchtung, innerlich falsch zu sein, negativ aufzufallen oder nicht dazuzugehören. Die Angst übernimmt dann eine Schutzfunktion. Sie hält Abstand, vermeidet Situationen und bewahrt davor, sich beschämt oder entwertet zu fühlen. An dieser Stelle kommen wir zu einem Gefühl, das selten offen benannt wird, aber eine grosse Rolle spielt. Die Scham.
Scham zeigt sich oft leise
Viele Menschen denken bei Scham an etwas Offensichtliches wie Erröten oder Peinlichkeit. Doch Scham wirkt häufig viel subtiler. Zum Beispiel als innerer Rückzug, als leiser werden, als sich kleiner machen oder als das Gefühl, zu viel zu sein.
Viele Klienten sagen nicht: „Ich schäme mich.“
Sie sagen: „Ich halte mich immer zurück.“
Oder: „Ich passe mich automatisch an.“
Es gibt eine gesunde und eine belastende Scham
Scham ist nicht grundsätzlich negativ. Es gibt eine basale, gesunde Scham, die Nähe reguliert und Intimität schützt. Sie sagt nicht: „Ich bin falsch“, sondern eher: „Das ist mir gerade zu nah.“
Problematisch wird es dort, wo Scham selbstbezogen wird und sich gegen das eigene Sein richtet. Dann heisst es innerlich nicht mehr: „Das war mir unangenehm“, sondern: „Mit mir stimmt etwas nicht.“
Und wo kommt die Schuld ins Spiel
Neben Scham wirkt oft Schuld im Hintergrund. Nicht als klare Verantwortung, sondern als diffuse innere Haltung:
Ich darf keine Last sein.
Ich bin verantwortlich, wenn etwas schwierig wird.
Ich bin schuld, wenn andere sich unwohl fühlen.
Warum Angst dann so hartnäckig bleibt
Viele Ängste bleiben nicht bestehen, weil Menschen sie nicht verstanden haben, sondern weil das Nervensystem weiterhin Gefahr signalisiert. Der Körper reagiert schneller als der Verstand. Veränderung beginnt deshalb nicht dort, wo man sich etwas einredet, sondern dort, wo Sicherheit auch körperlich erfahrbar wird.
Abschluss
Veränderung beginnt dort, wo das Nervensystem nicht mehr alarmiert reagieren muss, sondern im Hier und Jetzt Sicherheit erfährt. Traumasensible Hypnose arbeitet dort, wo viele Muster entstehen: im Nervensystem. Nicht gegen Gefühle, sondern integrierend.
Wenn du dich in diesen Zeilen wiederfindest, findest du auf meiner Webseite weitere Informationen zu meiner Arbeitsweise.
Rechtlicher Hinweis
Bitte beachte: Die Inhalte dieses Textes verstehen sich als Anregung zur Selbstreflexion und Selbsterfahrung. Sie ersetzen keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Es wird kein Heilversprechen gegeben.
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Kontakt
Christian Zinner
Praxis für Hypnose & Hypnosetherapie
Praxisadresse:
Kapellstr.9a
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Telefon: 0211 30 12 871
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